Krise in der Krise

Die Corona Quarantäne als Zerreißprobe für Paare in der Beziehungskrise

Die aktuelle Zeit der sozialen Isolierung kann für eure Beziehung eine absolute Herausforderung und Zerreißprobe sein – mit Kindern, aber natürlich auch ohne.

 

Für Paare, die schon vor dem Start dieser Zeit in einer Beziehungskrise gesteckt haben oder bei denen diese schon länger - mehr oder weniger unterschwellig schwelt - sind diese Wochen gerade noch (über)fordernder.

 

Beziehungen und Partnerschaften sind so vielfältig und individuell, wie die einzelnen Menschen, die daran beteiligt sind. Deshalb gibt es auch kein Patentrezept oder die „ultimativen 5 Tipps für gutes Gelingen“. Bei manchen ist der Konflikt noch unbewußt oder unausgesprochen vorhanden, andere haben schon darüber geredet und höchstwahrscheinlich gestritten. Manche haben vielleicht bereits verschiedene Anläufe unternommen, andere eventuell schon resigniert. Einige haben möglicherweise über Trennung gesprochen und manche sind sich sicher, dass sie diese wollen, anderen wiederum macht dieses Thema Angst und verunsichert sie.

 

In welcher Phase jeder Einzelne auch immer steckt, diese Zeit der sozialen Isolierung oder Quarantäne fordert Paare in einer Beziehungskrise jetzt ganz besonders!

 

Was könnte euch aktuell helfen?

 

 

Beziehungsstatus: Wohnungsgemeinschaft

Wenn ihr euch momentan einig seid, dass ihr euch auf jeden Fall trennen wollt, doch umständehalber gezwungen seid für diese Zeit zusammen an einem Wohnort zu bleiben, kann eine klare Absprache hilfreich sein. Teilt euch die Wohnung und Haushalt(!) wie WG-Mitglieder auf: Jede/r ist für den eigenen Kram zuständig. Trefft Vereinbarungen für alle gemeinsam notwendigen Tätigkeiten und Aufgaben. Ganz klar, das ist eine Herausforderung, aber eine die ihr meistern könnt wenn ihr es schafft, den privaten Bereich und (begrenzten Freiraum) des jeweils anderen zu respektieren. Die Disziplin aufzubringen, sich an die Vereinbarungen zu halten und wirklich seinen Teil der anstehenden Aufgaben zu erfüllen.

So kommt ihr gut über diese Zeit und vielleicht erwächst dadurch auch eine neue Sichtweise. Wer weiß, eventuell wollt ihr nach der isolierten Zeit der Corona-Krise das Thema Trennung noch einmal aufrollen und neu beleuchten und bewerten.

 

 

Briefe schreiben – gegen den Frust.

Wenn ihr in der „Zank und Streit“ Phase seid, jedes ausgesprochene Wort mit Zielsicherheit in den falschen Hals bekommt und das gleich im nächsten Zoff endet, versucht die „Brieftechnik“.

Macht euch schriftlich „Luft“, kotzt euch richtig aus. Schreibt den Ärger, die Verletzungen, den Frust von eurer Seele. Schreibt solange bis wirklich nichts mehr kommt und versucht dabei mehr zu euch selbst zu kommen. Weg von möglichen Anschuldigungen hin zu euren ganz eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Was fehlt, woran mangelt es euch? Wenn alles „gesagt“ ist lasst euch Zeit ruhig zu werden. Lasst all die Gefühle und Gedanken, die bei dem Prozeß hoch gekommen sind in das Papier einfließen. Wenn ihr diese Technik intensivieren mögt, legt die Hand darauf, legt den Brief an eure Brust oder an euren Solar Plexus – wo auch immer ihr in diesem Moment die meiste Energie gebunden fühlt und lasst die damit verbundene Energie fließen. Ihr merkt selbst, wenn es gut ist. Diese Geste hat ganz viel Kraft und ihr werdet merken, wie ihr ruhiger werdet.

Anschließend verbrennt den Brief. Das ist ganz wichtig. Wer mag kann auch hier noch mal das Loslassen intensivieren und gedanklich noch mal ganz bewußt die Wut, den Zorn, die Verletzung mit diesem Brief dem Feuer übergeben und all diese Gefühle im Rauch transformieren lassen. Hierbei geht es nur um euch! Ihr sollt euch besser fühlen, denn negative Gefühle zu haben tut uns selbst am wenigsten gut. Ihr könnt dies körperlich wahrnehmen durch ein Gefühl von Enge, Starrheit, Zittrigkeit, Verspannungen oder wie einen Knoten.

 

 

Der Geist will bewegt werden.

Körperliche Bewegung baut Stress ab. Auch dabei könnt ihr euren Ärger und Frust gezielt rauslassen. Laufen gehen, Zumba vorm Fernseher, Holz hacken, Rasen mähen oder ein anstrengendes Workout. Auspowern ist angesagt! Wenn ihr richtig schön verschwitzt seid, wascht ihr am besten alle belastenden Gefühle unter eine wohltuenden und ausgiebigen Dusche ab. Hier könnt ihr mental auch wieder bewußt intensivieren, indem ihr euch vorstellt, wie das klare Wasser alles von euch runterwäscht, dass euch gerade belastet.

Zusätzlich können euch tägliche Spaziergänge - die ihr am besten abwechselnd macht – die Gelegenheit geben, Abstand zueinander zu bekommen und eine Zeit lang allein zu sein.

Nutzt diese Zeit wirklich, um euch ganz bewußt auf euch selbst zu besinnen und diese Zeit alleine mit euch selbst zu genießen – sowohl der Spaziergänger, wie auch der, der Daheim bleibt.

 

 

Schrei-Therapie: was raus muss, muss raus!

Wenn ihr die Möglichkeit habt irgendwo allein zu sein, kann es helfen einfach laut loszuschreien.

Vielleicht in einem Wald oder Stück Natur, in einen Polster rein oder unter der Dusche. Die hat den Vorteil hier wieder gleichzeitig mittels mentalem Bild alles vom Wasser fortspülen zu lassen.

Jeder braucht seinen Tanzbereich.

Auch wenn es momentan schwerfällt: Respektiert den privaten Raum des anderen. Jeder von euch hat andere Bedürfnisse. Leben und leben lassen ist das Gebot der Stunde.

Heutzutage braucht auch niemand mehr um die Fernbedienung für den Fernseher zu streiten.

Die meisten von euch haben sicherlich auch einen Laptop oder Computer zuhause und genau jetzt wäre der ideale Zeitpunkt Streaming Dienste in Anspruch zu nehmen. So kann jeder von euch für die jeweils stimmige Ablenkung sorgen.

 

 

Vereinbarungen treffen.

Macht euch einen Termin zu einem Gespräch aus, bei dem ihr Vereinbarungen über den respektvollen und höflichen Umgang miteinander trefft. Jeder äußert seine Bedürfnisse und was er/sie sich wünscht. Manche Wünsche werden ganz ähnlich sein und andere komplett verschieden. Stellt Regeln auf, mit denen ihr beide gleichermaßen einverstanden seid und haltet sie schriftlich fest, gut sichtbar aufgehängt in eurem Zuhause. Wenn es zu einem Punkt gar keine Einigung gibt, versucht einen Kompromiss zu finden.

Bedenkt, dass alles was ihr euch jetzt ausmacht für diese spezielle Situation und für diese wenigen Wochen auf engstem Raum gilt. Danach könnt ihr, wenn ihr wollt, eine Neubewertung und neue Vereinbarungen vornehmen. Eure Regeln dienen einfach dazu, das JETZT für euch zu vereinfachen. Dazu kann es nötig sein einen kleinen Schritt auf den anderen zu zumachen, zu dem ihr sonst eventuell (noch) nicht bereit wärt.

 

 

Die 3 Siebe des Sokrates

Es gibt eine Anekdote, nach der Sokrates empfiehlt 3 Siebe anzuwenden, bevor man spricht oder etwas weitererzählt: „Bin ich sicher, dass das, was ich sagen werde, wahr ist?“ „Ist das was ich sagen werde, etwas Gutes?“ „Ist es wirklich notwendig, dass ich meine Informationen teile?“

Frei nach diesen 3 Sieben können wir uns in der Kommunikation mit dem Partner fragen: „Stimmt das was ich ihm gerade sagen will?“ „Hilft es dem anderen, ist es was Gutes für ihn?“ „Ist es wirklich nötig, das jetzt zu sagen?“

 

Schauen wir uns die Punkte näher an.

 

  • Stimmt es, ist es wahr? Ja, klar stimmt es, werden die meisten von euch wie aus der Pistole geschossen antworten.

Er räumt nie den Geschirrspüler aus. Immer lässt sie überall das Licht brennen. Euch fallen sicher eigene Beispiele ein, aber ist das wirklich so? Immer und nie? Darauf kommen wir gleich zu sprechen. Wir sollten in jedem Fall immer bedenken, dass es verschiedene Sichtweisen ein und derselben Sache gibt. Jeder hat einen eigenen Blickwinkel der „Wahrheit“ und interpretiert nach seinen eigenen Erfahrungen.

  • Hilft es dem anderen? Oder eher mir? Na, klar hilft es ihm, wenn ich ihm sage er soll den Geschirrspüler ausräumen, sonst merkt er es sich ja nie… (hüstel, ihr merkt worauf ich hinaus will?)
  • Ist es nötig? Ihr beide seid jetzt in einer sehr angespannten Situation, vielleicht liegen auf beiden Seiten die Nerven auch schon fast blank. Was auch immer euch an diesen kritischen Punkt gebracht hat, vielleicht gelingt es, euch daran zu erinnern von wo aus ihr gestartet seid. Was ihr euch einmal bedeutet habt und wie schön es mal war ... eventuell hilft die Erinnerung, es für den Augenblick gut sein zu lassen. So kann das Problem möglichweise für den Moment und zur späteren Bearbeitung in einem virtuellen Problemregal geparkt werden.

 

Killerwörter weglassen.

Aus dem vorherigen Punkt können wir gleich noch eine wichtige Strategie ableiten. Es hilft in der Kommunikation die sogenannten Killerwörter zu streichen. Worte wie Nie, Immer, Dauernd, Ständig…. stimmen erstens nicht und drängen den anderen mit den Rücken an die Wand und wollen ihn dort auch noch festnageln. Kein sehr schönes Bild, oder? Der andere reagiert darauf mit Abwehr und Gegenangriff oder totalem Rückzug. Beides verstärkt die angespannte Lage und trägt zur Abwärtsspirale bei. Also einigt euch gemeinsam darauf, gerade jetzt ganz bewußt auf diese Wörter zu verzichten und euch selbst auszubessern, wenn sie wieder reflexartig herausrutschen.

 

 

Ihr könnt euch täglich neu entscheiden, wie ihr mit eurem Gegenüber umgeht. Am Besten macht ihr eure Entscheidung davon abhängig, wie ihr selbst gerne behandelt werden möchtet.

 

Ich hoffe ihr könnt mit dem einen oder anderen Punkt etwas anfangen und sie helfen euch, etwas Spannung und Druck aus eurer aktuellen Situation zu nehmen.

 

Ich wünsche euch dabei jedenfalls von Herzen gutes Gelingen und bleibt gesund!