Liebe ist kein Selbstläufer

Alles steht Kopf, nichts ist mehr so wie es war, wenn man von seinem Partner betrogen wurde.

 

Es fühlt sich an, als würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen, als würde man fallen. Gefühle schwappen hoch – Kränkung, Verletzung, Wut, Trauer. Unverständnis und Angst machen sich breit. Gedanken drehen sich im Kreis, wirbeln durch den Kopf. Was man bisher geglaubt hat, worauf man vertraut hat, ist weg. Das Vertrauen in den Partner und das Vertrauen in sich selbst - die eigene Urteilsfähigkeit. Das Selbstvertrauen ist erschüttert.

 

Die häufigste Frage scheint zu sein: «Warum?»

  Was ist passiert?! Was ist schief gegangen?! Wann ist es zum Seitensprung gekommen?! Was fehlt oder was hat sich nur verändert?!

 Untreue ist vielleicht eine der anspruchsvollsten und härtesten Prüfung für ein Paar.

Wenn wir Liebe nicht als austauschbares Konsumgut sehen und wir nicht «einfach» zum nächsten übergehen, lohnt sich eine ausführliche Betrachtung. Sei es, um die Situation und sich selbst reflektiert zu betrachten, damit Muster erkennbar werden und eine Trennung mit möglichst geringen Verletzungen auf beiden Seiten zu schaffen ist, oder um eine aufrichtige Begegnung mit sich und dem Partner zu suchen, um eine Erneuerung der Liebe zu wagen.

 

Wenn beide entschlossen sind, die Krise als Chance wahrzunehmen, kann professionelle Unterstützung, wie etwa Mentaltraining hilfreich sein. Mentaltraining ist ein wunderbares Werkzeug, um wieder festen Boden unter den Füßen zu gewinnen, um sich zu verankern, zu verwurzeln. Es hilft die Gedankenwirbel zu beruhigen und das Selbsvertrauen zu stärken. Kennen Sie den Spruch: „Reden hilft.“? Es stimmt tatsächlich, vor allem in einem professionell begleiteten Gespräch kann man Lösungen orten wo vorher nur Ausweglosigkeit geherrscht hat. Gemeinsam spürt man dabei die Blockaden und Mißverständnisse auf, die meist dadurch entstehen, dass jeder sein eigenes (Werte-)System und seine bisherigen Erfahrungen in die Beziehung einbringt. Dadurch hat jeder sein eigenes, gelerntes Reaktionsverhalten.

 

Im Laufe unseres Lebens werden unsere Reaktionsmuster mehr und mehr eingefahren und dadurch immer rigider und starrer – und das wirkt sich natürlich auch auf unsere Beziehungen aus.

Erstarrung vermeiden.

 

 Oft fahren wir in einer Beziehung auf eingefahrenen Schienen. Der Alltag lässt wenig Spielraum und das Leben gleitet, so scheint es, an uns vorbei. Die liebenswerten Eigenheiten des Partners sind zu nervtötenden Angewohnheiten mutiert und die achtsam geäußerten Wünsche und Hinweise kommen mittlerweile als gestresste Vorwürfe und kompromisslose Anweisungen daher.

 

Was ist dazwischen passiert?!

Nach dem anfänglichen Verliebt-sein und der faszinierten Beschäftigung mit dem Gegenüber, dreht sich nach und nach alles wieder mehr um das eigene Universum. Die eigenen Sorgen und Ängste, aber auch die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse treten wieder mehr in den Vordergrund. Das ist eine vollkommen natürliche Entwicklung, denn den «Verliebtheitsstatus» kann weder der Körper (zuständige Hormone), noch der Geist für immer aufrecht erhalten.

Dazu kommt, dass jeder eigene Erfahrungen und Muster mitbringt. Jeder hat andere Reaktionsweisen und Glaubenssätze gelernt. Dann prallen diese Universen aneinander. Manchmal ist es nur ein kleiner Rumpler, manchmal ein ordentlicher Rumps und manchmal zerbricht etwas dabei.

 

Je mehr wir uns missverstanden fühlen vom anderen, desto mehr werden wir in unserer Reaktionsweise eingeschränkt, die Schienen werden immer enger.

 

Wenn Kränkungen stattfinden, wird die Liebe verschüttet und wir verlieren uns in einer Spirale aus Vorwürfen und Selbstmitleid. Das löst bei vielen die Sehnsucht nach einem neuen Anfang mit einem neuen Partner aus - oder öffnet die Tür zum Seitensprung.

 

Die Illusion, dass das Neue ein Heilmittel gegen die langweiligen Wiederholungen in der alten Beziehung ist, wächst. Doch meist führt dies irgendwann wieder zur gleichen Unzufriedenheit. Vielleicht bemerkt man, dass das Neue gar nicht so anders ist, weil man selbst die Selbe / der Selbe geblieben ist. Die gleichen Themen – vielleicht mit neuer Verpackung – werden aufgewärmt. Oder der Seitensprung verliert schnell seinen Kick und erotische Leere stellt sich ein, die durch erneute Seitensprünge, in der Hoffnung auf Er-Füllung, mehr vertieft wird.

Liebe als Kunst.

 

Ist ein Paar wahrhaftig miteinander verbunden, ist es mehr als die Summe der Einzelpersonen. Für mich ist die Kunst in der Liebe gemeinsam zu wachsen – miteinander, füreinander und zueinander – und dabei die eigene Individualität nicht zu verlieren oder zu verraten.

 

Liebe ist eine magische Substanz, denn sie vermehrt sich in einem, je mehr man davon gibt.

Es ist ihre natürliche Tendenz – Liebe möchte sich ausbreiten, sich verströmen.

Die Kunst ist es auch, sie dabei nicht zu behindern und zu blockieren. Doch oft tun wir genau das. Aus Angst und Unsicherheit torpedieren wir die Liebe durch innere Haltungen, Worte, Taten und Untaten.

 

Untreue kann eine Beziehung zerstören.

Sie kann aber auch Anstoß sein ehrlich hinzuschauen – auf sich und den Partner.

Anstoß, um seine eigenen Gedanken, Glaubenssätze, Worte und Handlungen zu überdenken. Anstoß für einen ehrlichen Austausch über Gefühle, Wünsche und Phantasien. In einer offenen Begegnung miteinander und mit sich selbst ist sie Chance die Beziehung auf eine neue Ebene zu heben.

Beide müssen aber dazu bereit sein.

Die Kunst ist es auch, angesichts der Verletzung offener zu werden, das zerstörte Vertrauen wieder aufzubauen. Dort hinzuschauen wo der meiste Schmerz liegt. Die Wahrheit befreit und wahre Liebe lässt frei. Nichts tut mehr weh als mit einer (heimlichen) Lüge zu leben. Nichts ist unfairer als dem Partner Dinge zu verheimlichen von denen er bzw. sie auch betroffen ist. Wenn man etwas verschweigt oder lügt, aus Angst den Partner zu verlieren, nimmt man seinem Gegenüber die Freiheit sich ebenfalls zu entscheiden.

 

Die Kunst ist es auch ehrlich zu sein – zu sich selbst und zu seinem Partner. Jeder soll die gleiche Chance haben sich zu entscheiden. Denn Liebe ist auch eine Entscheidung. Sie ist kein Selbstläufer. Sie entsteht und wächst jeden Tag aufs Neue, indem wir uns entscheiden einander wirklich zu begegnen, wirklich zuzuhören, wirklich anzuschauen. Niemand macht das perfekt, niemandem gelingt das zu 100%, doch wir können uns bemühen und mehr und mehr verwirklichen.

 

Üben wir uns in Achtsamkeit dem Partner gegenüber. Freuen wir uns einander täglich wahrhaftig mehr und mehr kennen zu lernen. Begegnen wir dem Anderen, wenn er ganz er selbst ist und zeigen wir uns, wenn wir ganz wir selbst sind. Ohne Absicht zu verletzen und dadurch ohne Angst verletzt zu werden.

 

Einer alleine schafft das nicht. Wenn einer wieder vergisst, wieder auf die alten Gleise gerät, kann der andere liebevoll erinnern.

 

So wachsen wir tatsächlich gemeinsam, miteinander, füreinander und zueinander, als Unikate im gemeinsamen Universum – das meint Liebe.

 

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